Eine aktuelle Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag von oecolution zeigt: Österreich zählt zu den am stärksten fragmentierten Stromverteilnetzsystemen Europas. Diese Zersplitterung verursacht Effizienzverluste, höhere Netzkosten und strukturelle Nachteile beim dringend notwendigen Netzausbau – gerade in einer Phase, in der die Energiewende massive Investitionen erfordert.
Über 100 Netzbetreiber – ein europäischer Spitzenwert
Laut Smart-Meter-Bericht 2024 gibt es in Österreich 116 Stromverteilnetzbetreiber, laut E-Control 114. Das entspricht 13,5 Netzbetreibern pro Million Einwohner. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf 10,4, Frankreich auf 2, Belgien auf 1,4 und die Niederlande auf lediglich 0,3 Netzbetreiber pro Million Einwohner. In einigen Ländern wie Kroatien, Malta oder Irland gibt es überhaupt nur einen einzigen Betreiber. Österreich weist damit eine außergewöhnlich starke Fragmentierung auf.
Hinzu kommen massive Größenunterschiede: Die größten zehn Prozent der Betreiber versorgen knapp 90 Prozent aller Zählpunkte, während sich über 100 kleinere Unternehmen die verbleibenden zehn Prozent teilen – vielfach beschränkt auf ein bis zwei Gemeinden. Die mikroökonomischen Modelle von Economica zeigen klar: Kleine Netzbetreiber arbeiten strukturell weniger effizient, während größere Einheiten Skaleneffekte nutzen und Kosten senken können. Somit wird klar: Je größer die Einheit, desto niedriger die Kosten – Zersplitterung verteuert das System.
Netzkosten deutlich über EU-Durchschnitt
Der Anteil der Netzkosten liegt in Österreich bei 37,5 Prozent des Strompreises und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 26,9 Prozent. Hohe Netzkosten belasten Haushalte ebenso wie Unternehmen und schränken gleichzeitig die finanziellen Spielräume für Investitionen in den Netzausbau ein.
Simulation zeigt das konkrete Einsparpotenzial
Würde in den bestehenden 14 Netzgebieten jeweils nur noch ein Betreiber tätig sein, könnten die Systemkosten bundesweit um 5,1 Prozent gesenkt werden. In der Steiermark läge das Einsparpotenzial bei 14,7 Prozent, in Tirol sogar bei 24,4 Prozent. Würden diese Effizienzgewinne an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben, sänken die Netzgebühren von 9,40 auf 8,92 Cent pro kWh (exkl. USt). Das entspräche einer Entlastung von rund 20 Euro pro Haushalt und Jahr, in Tirol und der Steiermark sogar zwischen 66 und 89 Euro.
Schlussfolgerung und Forderung von oecolution
Die Studie zeigt eindeutig, dass die Vielzahl an Netzbetreibern zu vermeidbarer Komplexität und höheren Kosten führt. „Gerade in einer Phase, in der Österreich massiv in sein Stromnetz investieren muss, können wir uns ineffiziente Strukturen nicht leisten. Weniger Zersplitterung bedeutet mehr Effizienz, geringere Kosten und schnelleren Netzausbau“, betont oecolution-Geschäftsführer Christian Tesch.
oecolution fordert daher eine Bündelung kleiner Netzbetreiber innerhalb der bestehenden Netzgebiete und die Stärkung größerer, effizienter Einheiten. Eine modernisierte, weniger fragmentierte Netzlandschaft wäre ein entscheidender Schritt hin zu einem leistungsfähigeren, kosteneffizienteren und zukunftssicheren Stromsystem, das Haushalte und Betriebe spürbar entlastet und die Energiewende beschleunigt.
Die ganze Studie finden Sie hier: https://jetzt.oecolution.at/marktstruktur-im-stromverteilnetz