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"Ökologie und Ökonomie Hand in Hand: Die Zukunft der Klimapolitik in Österreich"

In "oeco? Logisch!" sprechen wir mit dem renommierten österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr über die Schnittstelle zwischen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz.

oecolution austria

04.01.2024

4 min

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Felbermayr, der aktuell das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung leitet, teilt seine Expertise und visionäre Perspektiven zu einem der brennendsten Themen unserer Zeit.

 

Klimaschutz als Wirtschaftsmotor: Während des Gesprächs betonte Felbermayr, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum keinen Gegensatz darstellen müssen. Er argumentiert: "Wenn wir keinen Klimaschutz global betreiben, können die Kosten des Klimawandels sehr hoch sein - wirtschaftliche Freiheiten einschränken, Produktivität vermindern, zu wirtschaftlichen Notlagen führen in vielen Ländern." Gleichzeitig sieht er in der energiepolitischen Wende und Transformation der Volkswirtschaft eine Chance: "Wenn wir die Transformation unserer Volkswirtschaft als Chance begreifen, dann kann das auch ein Geschäftsmodell sein [...] das dann am Ende auch bei uns Wirtschaftswachstum erzielt."

 

Realismus und Planungssicherheit als Schlüssel: Felbermayr spricht sich für Realismus in der Festlegung von Klimazielen aus und betont die Notwendigkeit langfristiger Glaubwürdigkeit in der Klimapolitik: "Wir können nicht alle paar Jahre unsere Klimaziele ambitionierter gestalten. Das überfordert unsere Systeme." Er weist darauf hin, dass hohe Investitionen und Planungssicherheit entscheidend sind: "Planungssicherheit von ganz zentraler Bedeutung."

 

Arbeitsmarkt im Wandel: In Bezug auf den Arbeitsmarkt unterstreicht Felbermayr, dass Veränderungen notwendig seien, das Problem aber oft kleiner dargestellt wird als es ist: "Es wird Umbau brauchen am Arbeitsmarkt, aber das Problem ist kleiner als oft gesagt wird."

 

Die Rolle des Freihandels und Carbon Leakage: Der Wissenschaftler äußert sich auch zu den Herausforderungen des Freihandels und des sogenannten "Carbon Leakage": "Carbon Leakage, also dass CO2 Emissionen, die wir hier in Österreich oder Europa einsparen, anderswo in der Welt zusätzlich entstehen, vielleicht sogar in einem größeren Ausmaß als wir hier bei uns einsparen, so dass dem Klima überhaupt nicht geholfen ist, wir aber in Österreich und Europa Wertschöpfung verlieren ans Ausland." Er befürwortet einen CO2-Grenzausgleich, weist jedoch darauf hin, dass dieser nur für wenige Güter gilt und viele Branchen ausschließt.

 

Energiekosten und Wirtschaftskonjunktur: Felbermayr äußert sich besorgt über die steigenden Energiekosten und die momentane wirtschaftliche Entwicklung in Österreich: "Es sind genau diese Energiekosten, die das Carbon Leakage hier hervorrufen."

 

Den gesamten Podcast gibt es HIER.

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