Artikel

Herr Kren, ist Österreichs Zementindustrie ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz?

In unserer neuen Podcast-Folge haben wir mit Berthold Kren, Chef des Zementherstellers Holcim Zentraleuropa, über die österreichische Zementindustrie und deren Bedeutung für den Klimaschutz gesprochen.

oecolution austria

18.09.2023

2 min

Podcasts
Gesetze
Innovation

In einem exklusiven Podcast-Gespräch mit oecolution-Geschäftsführerin Elisabeth Zehetner äußerte sich Berthold Kren, der Geschäftsführer des Zementherstellers Holcim Zentraleuropa, zu den ambitionierten Klimazielen Europas und Österreichs. Er betonte die Herausforderungen und Chancen, die sich für die Industrie ergeben, insbesondere für Branchen wie die Zementindustrie, die als "Hard-to-Abate" gilt.


"Europa hat klare Ziele gesetzt: Netto null Emissionen bis 2050. In Österreich streben wir an, die Industrie bis 2040 zu dekarbonisieren", sagte Kren. Er wies darauf hin, dass es viele Lösungen gibt, um diese Ziele zu erreichen, und betonte die Bedeutung von Carbon Capture and Utilization (CCU) als mittel- und langfristige Strategie. Bei diesem Ansatz wird CO2 aus industriellen Prozessen gewonnen und in chemische Grundstoffe umgewandelt.


Kren sprach auch die Herausforderungen an, die mit der CO2-Speicherung verbunden sind, insbesondere für ein Binnenland wie Österreich. In diesem Zusammenhang erwähnt er ein Projekt von Holcim Österreich, bei dem CO2 verflüssigt und zur Offshore-Lagerung nach Ravena transportiert werden soll. Zu überdenken seien insbesondere die hohen Kosten die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich, insbesondere das Verbot der CO2-Lagerung.


Der Holcim-Chef lobte die österreichische Abfallwirtschaftsgesetzgebung und betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Er wies darauf hin, dass in Österreich bereits mehr als 90% des Betonabbruchs recycelt werden. Kren betonte auch die Notwendigkeit, den Industriestandort Österreich zu sichern und die Produktion von Grundstoffen im Land zu gewährleisten, um Abhängigkeiten zu vermeiden und den CO2-Fußabdruck zu minimieren. "Wir sind ein Industrieland, und ein Großteil unseres Wohlstandes basiert auf der Industrie", sagte Kren. Er betonte, dass die Industrie in Österreich bereits ihren Beitrag leistet und dass viele Unternehmen entschlossen sind, ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen.


"Wir sind ein Industrieland, und ein Großteil unseres Wohlstandes basiert auf der Industrie." (Berthold Kren)


Abschließend betonte Kren die Dringlichkeit der Dekarbonisierung und die Notwendigkeit für die Industrie, sich anzupassen und zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Der Zug fährt, ob es uns gefällt oder nicht."


Die ganze Folge gibt es HIER.

Weitere Artikel

Neue Studie zeigt: Österreichs Stromverteilnetz ist hoch fragmentiert – und das kostet

Eine aktuelle Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag von oecolution zeigt: Österreich zählt zu den am stärksten fragmentierten Stromverteilnetzsystemen Europas. Diese Zersplitterung verursacht Effizienzverluste, höhere Netzkosten und strukturelle Nachteile beim dringend notwendigen Netzausbau – gerade in einer Phase, in der die Energiewende massive Investitionen erfordert.

Das neue oepuls. ist da!

Österreich setzt auf klimapolitischen Pragmatismus: Mit dem neuen Strommarktgesetz und der Industriestrategie 2035 entsteht ein leistbares Betriebssystem für die Energiewende. Wie wir bei Strom, Wasserstoff und Innovation wirklich vorankommen, lesen Sie jetzt in der neuen oepuls. Ausgabe.

Wasserstoff, Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit: Was Europa jetzt braucht

Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende – doch wie realistisch ist sein Einsatz wirklich? In diesem Gespräch spricht Lukas Renz über innovative Speichertechnologien, unternehmerischen Mut und Europas wirtschaftliche Zukunft. Es geht um technologische Durchbrüche, politische Hürden und die große Frage, wie Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammen gedacht werden können.