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9 von 10 Österreicher für heimische Gasförderung

Eine aktuelle MARKET-Umfrage im Auftrag von oecolution zeigt: 89 Prozent der Österreicher befürworten heimisches Gas statt teure Importe. Die Bevölkerung wünscht sich mehr Versorgungssicherheit, mehr Unabhängigkeit und einen pragmatischen Zugang zur Energiepolitik. Warum also holen wir unsere Energie nicht selbst aus dem Boden?

oecolution austria

07.05.2026

3 min

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Technologie
Innovation
Wirtschaftspolitik

„Warum holen wir unsere Energie nicht selbst aus dem Boden?“

Hohe Preise, unsichere Versorgung: Der Krieg im Iran bringt die globale Energieversorgung durcheinander – auch beim Erdgas. Die Österreicher haben darauf eine klare Antwort.

Fast 9 von 10 Österreichern (89 %) befürworten Gas aus heimischen Vorkommen. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des renommierten MARKET-Instituts (1.007 Befragte) für oecolution. Zustimmung findet auch Gas aus Norwegen (84 Prozent). Gas aus den USA wird hingegen von mehr als der Hälfte (57 Prozent) abgelehnt.


Für oecolution ist das ein klares Signal: Die Bevölkerung will mehr heimische Energie.

„Die Menschen wollen eine sichere und möglichst unabhängige Energieversorgung. Heimische Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen ist daher nur logisch“, sagt oecolution-Geschäftsführer Christian Tesch.

Paradox ist: Österreich verfügt über eigene Gasvorkommen, fördert sie aber kaum.


Gasvorkommen auch in Österreich vorhanden

Österreich hat eine über hundertjährige erfolgreiche Tradition in der heimischen Gasförderung und verfügt über ausreichend Vorkommen

Im Marchfeld soll die Förderung noch heuer endlich starten, im oberösterreichischen Molln waren Probebohrungen erfolgreich. Und im nördlichen Weinviertel liegen große, bislang kaum erschlossene Schiefergas-Vorkommen. Explorationsstudien der OMV und Analysen der Montanuniversität Leoben zeigen, dass diese Lagerstätten den österreichischen Gasbedarf über Jahrzehnte decken könnten.

„Bei unsicherer Versorgungslage und hohen Preisen darf es kein Zögern mehr geben. Die Vorkommen sind da – und auch die Technologie. Erkundung und Erschließung müssen sofort starten“, fordert Tesch.


Österreichische Forschung ermöglicht sauberere Förderung

In den USA und anderen Weltregionen wird Schiefer-Gas mit bedenklichen Umweltschäden produziert. Und von Österreich importiert. Die Montan-Uni Leoben hat hingegen ein Förderverfahren entwickelt, bei dem giftige Chemikalien durch harmlose Stoffe wie Sand, Keramik, Glaskügelchen, Kalk und Maisstärke ersetzt werden. Mit dieser Innovation aus Österreich wäre heimisches nicht nur regional verfügbar, sondern auch deutlich umweltfreundlicher als viele Importquellen.


Heimisches Gas ist günstiger

LNG ist aufwendig: verflüssigen, verschiffen, regasifizieren – jeder Schritt kostet. Analysen des europäischen Thinktanks Bruegel zeigen: LNG ist oft doppelt so teuer wie Pipelinegas. Daher liegt es auf der Hand, dass Gas aus der Region, das über vorhandene Pipelines fließen kann, deutlich günstiger ist.


Versorgungssicherheit statt Abhängigkeit

Jahrzehnte lang kam Gas zu rund 80 Prozent aus Russland. Seit dem Angriff auf die Ukraine haben sich die Abhängigkeiten verschoben. Heute beziehen wir Pipeline-Gas aus Norwegen und Algerien, LNG aus Ländern wie den USA und Qatar. Wer Gas importiert, importiert auch Krisen, Preisschocks und Unsicherheit. Heimisches Gas würde Abhängigkeiten reduzieren und Versorgungssicherheit gewährleisten.


Gas bleibt wichtiger Teil der Energiewende

Das Ende fossiler Energiequellen bedeutet eine massive Elektrifizierung. Ohne ausreichend günstigen Strom kann die Energiewende nicht gelingen. In der Übergangsphase bleibt Gas für hochenergetische industrielle Prozesse und die Stromproduktion noch einige Jahre unverzichtbar. Viele industrielle Produktionsprozesse benötigen Temperaturen von über 1.000 Grad, für die es derzeit kaum Alternativen gibt. Gleichzeitig sichern flexible Gaskraftwerke die Stromversorgung – etwa im Winter, wenn wenig Sonne scheint und kaum Wind weht. „Sofort auf Gas zu verzichten würde unsere Firmen ins Ausland drängen – in Regionen, in denen oft weit mehr CO₂ ausgestoßen wird“, sagt Tesch.


„Pragmatismus statt Ideologie“

oecolution fordert daher mehr Pragmatismus und einen stärkeren Fokus auf heimische Energiepotenziale.

„Wir brauchen weniger ideologische Scheuklappen und mehr pragmatische Lösungen“, sagt Tesch. Die große Mehrheit der Bevölkerung will eine sichere Energieversorgung und mehr Nutzung heimischer Ressourcen. Wenn wir Strom aus Wind und Sonne im eigenen Land erzeugen, warum sollten wir dann nicht auch vorhandenes Gas verantwortungsvoll im eigenen Land fördern?

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